Planung der Abwasserverlegung

Das Thema Abwasser hat uns aufgrund der besonderen Lage unseres Grundstückes sehr lang und intensiv beschäftigt. Unser Baugrundstück befindet sich in zweiter Reihe in Hanglage. Das ist für die spätere Aussicht super, jedoch für die Abwasserentsorgung eine echte Herausforderung. Das Grundstück liegt zwischen zwei Straßen, wobei sich eine wenige Höhenmeter oberhalb und eine etwa 12 Höhenmeter unterhalb befindet. Dafür kommen grundsätzlich zwei Lösungen in Frage:

Variante 1 – Hebeanlage:

Als erstes kommt eine Hebeanlage in Frage. Dabei fließt das gesamte Abwasser zunächst in einen Schacht direkt unterhalb des Gebäudes. In diesem Schacht befindet sich eine Pumpe, die das Wasser über eine Druckleitung dann hoch zur Straße pumpt. Oben an der Straße wird ein Freiluftschrank installiert, in dem die Druckleitung über die Rückstauebene geführt wird. Dies verhindert Rückstau aus dem öffentlichen Kanal.

Wir waren uns der Nachteile von Hebeanlagen, wie der jährlichen Wartung, der Gefahr des Pumpenausfalls oder dem Stromverbrauch für Pumpe und Heizung des Freiluftschranks bewusst und hätten diese in Kauf genommen. Jedoch wurde das Thema bei der Ausarbeitung mit zwei potentiellen Anbietern noch deutlich komplexer: Da wir sowohl Regen- als auch Schmutzwasser entsorgen wollen, musste ein entsprechend groß dimensionierter Schacht mit zwei leistungsstarken Pumpen geplant werden. Da im Falle eines Stromausfalls bei Regen der Schacht überlaufen könnte, mussten wir Regen- und Schmutzwasser trennen – das bedeutet zwei separate Schächte. Tja und wer will schon zwei große Gullideckel im Garten mit insgesamt vier Pumpen, die Lärm machen, Strom verbrauchen und aufwändig angeliefert und eingebaut werden müssen. Ganz nebenbei war das am Ende auch kein Schnäppchen mehr. Diese Variante war also ganz eindeutig weder technisch noch wirtschaftlich sinnvoll.

Variante 2 – hangabwärts mit Absturzschacht :

Als zweite Möglichkeit könnte das Abwasser im freien Gefälle den Hang hinab geführt werden. Am unteren Ende des Hangs befindet sich jedoch eine mehrere Jahrzehnte alte Hangstützmauer aus Beton. Vor dieser Mauer muss ein sogenanntes Absturzbauwerk, also ein Schacht gesetzt werden, um die große Höhe DIN-gerecht zu überbrücken. Zum Anschluss an den Straßenkanal hätte die Mauer untergraben werden müssen. Wir haben diese Lösung mit mehreren Tiefbauunternehmern vor Ort besprochen. Niemand hätte uns dafür ein Angebot abgegeben, da die Gefahr viel zu groß sei, dass die Mauer bei den Arbeiten einstürzt. Darüber hinaus steht die Mauer sehr wahrscheinlich direkt auf Fels. Sie zu untergraben wäre somit, wenn überhaupt, nur mit massiverm Aufwand möglich. Diese Lösung hätte uns also kein seriöses Unternehmen umgesetzt.

Variante 3 – hangabwärts mit oberirdischem Anteil:

Die finale Lösung sieht nun eine Abwasserverlegung hangabwärts bis zur Stützmauer vor. Bis dahin ist eine frostsichere Verlegung in einer Tiefe von mindestens 80cm umsetzbar. Anschließend tritt das Abwasserrohr aus der Mauer heraus und läuft wenige Meter oberirdisch außen an der Mauer entlang, bevor es wieder in der Erde verschwindet. Der oberirdische Teil muss natürlich gedämmt und verkleidet werden. Zusätzlich werde ich eine Rohrbegleitheizung installieren, um bei Bedarf ein Einfrieren im Winter zu verhindern.

Unser Fazit:

Wir sind sehr froh nach viel investierter Zeit die in Summe sinnvollste Lösung gefunden zu haben. Daher zunächst vielen Dank an unsere Stadt, die sich alle unsere Lösungen mit großer Geduld angehört und letztlich auch, die für alle Parteien sinnvollste Lösung genehmigt hat.

Besonderen Dank auch an unseren Generalunternehmer KHB Creativ Wohnbau GmbH, die uns mit viel Einsatz bereits vor Baubeginn des Hauses bei diesem Thema unterstützt haben!

Tipp:

Prüft bei Kauf eines Grundstückes, ob es bereits erschlossen ist (Abwasser, Frischwasser, Strom). Wenn nicht unbedingt frühzeitig die Möglichkeiten der Erschließung bedenken und planen.

Besorgt euch frühzeitig auch die Pläne des Abwassernetzes von euren Stadtwerken oder der Stadtentwässerung und beginnt damit die Abwasserverlegung ggf. auch mit einem Fachmann zu besprechen.